Wie aus einer Facebook-Begegnung ein Buch wurde
Eine Büchersuche auf Facebook wurde zum Beginn einer Freundschaft. Ich erzähle, wie ich Raymond Yerima kennenlernte, ihn unterstützte und schließlich sein Buch „Luka und die wilden Tiere“ herausgab.
Stefan Stuhlsatz
10/16/20264 min read
Wie aus einer Facebook-Begegnung ein Buch wurde: Die Geschichte hinter „Luka und die wilden Tiere“
Von Stefan Stuhlsatz, Herausgeber
Als ich Raymond Yerima auf Facebook kennenlernte, ahnte ich nicht, dass ich eines Tages sein Buch herausgeben würde. Unsere Geschichte begann mit einer Suche nach Büchern – und führte über Mainz und Wuppertal zu einer Freundschaft, aus der schließlich ein gemeinsames Buchprojekt entstand.
Eine Begegnung zwischen Benin und Mainz
Raymond studierte Germanistik an einer Universität in Benin. Für sein Studium suchte er deutschsprachige Bücher. Er wusste bereits, dass er zu einem Sprachkurs nach Frankfurt am Main kommen würde. Allerdings hätte er wahrscheinlich weder die Gelegenheit noch das Geld gehabt, sich die benötigten Bücher während seines Aufenthalts selbst zu besorgen.
Ich beschaffte sie für ihn. Wir verabredeten uns in Mainz, wo ich ihm die Bücher persönlich übergab.
So wurde aus einem Kontakt über Facebook eine erste Begegnung. Danach hielten wir weiter Verbindung, auch als Raymond längst wieder in Benin war.
Ein Stipendium, das beinahe unerreichbar blieb
Einige Jahre später erzählte Raymond mir von einer großen Chance: Er hatte ein Stipendium für einen Aufenthalt an der Universität Wuppertal erhalten.
Doch die Freude war von Sorgen überschattet. Er musste rechtzeitig eine Unterkunft nachweisen und die Flugkosten zunächst selbst bezahlen. Von Benin aus ein Zimmer in Wuppertal zu finden, war schwierig. Für den Flug fehlte ihm das Geld.
Raymond kam nicht aus einer wohlhabenden Familie. Nun schien eine akademische Chance, die er sich durch seine Leistungen erarbeitet hatte, an finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen zu scheitern.
Er erzählte mir davon schließlich mit der Befürchtung, das Stipendium nicht antreten zu können. Die Zeit wurde knapp. Am Ende blieben nur noch drei Tage.
Mich empörte diese Situation. Ich empfand die Bedingungen als ungerecht: Wer das Geld zum Vorstrecken und die nötigen Kontakte hatte, konnte eine solche Gelegenheit nutzen. Wer beides nicht hatte, drohte sie trotz seiner Leistungen zu verlieren.
Ich versprach Raymond, alles zu versuchen, damit er sein Stipendium wahrnehmen konnte.
Ein Flugticket und ein vorläufiges Zuhause
Ich schickte ihm das Geld für den Flug und lud ihn ein, zunächst bei mir zu wohnen. Damit waren die beiden entscheidenden Hindernisse überwunden: Er konnte die Reise bezahlen und hatte eine Unterkunft in Deutschland.
Es ging dann sehr schnell. Raymond buchte seinen Flug und kam kurz darauf nach Deutschland.
Als er angekommen war, konnten wir ohne den vorherigen Zeitdruck nach einem Zimmer in Wuppertal suchen. Wir fanden rasch eine Unterkunft – sogar bei einem Professor der Universität.
Aus der zufälligen Facebook-Bekanntschaft war inzwischen eine wirkliche Freundschaft geworden.
„Möchtest du mein Buch lesen?“
Lange nach seinem Aufenthalt in Deutschland erzählte Raymond mir, dass er ein Buch geschrieben habe. Er war wieder in Benin und arbeitete an seiner Doktorarbeit.
Ob ich seine Geschichte lesen wolle, fragte er mich.
Ich wollte. Und ich fand „Luka und die wilden Tiere“ wirklich spannend.
Die Geschichte führt einen neunjährigen Jungen in eine verborgene Tiergesellschaft hinter dem Lenneper Wald. Was als Suche nach einer Erzählung seines verstorbenen Großvaters beginnt, wird zu einer Begegnung mit einer Welt, die eigene Regeln, Hoffnungen und Konflikte hat.
Die Tiere haben unter Menschen gelitten. Einige suchen Verständigung, andere verlangen Vergeltung. Mitten zwischen ihnen steht Luka, der selbst erst lernen muss, Tiere mit anderen Augen zu sehen.
Mich beschäftigte, wie Raymond Abenteuer mit Fragen nach Mitgefühl, Gewalt und Verantwortung verband. Als Theologe und Ethiker fand ich darin viele Anknüpfungspunkte.
Vom Manuskript zur Veröffentlichung
Durch einen weiteren Zufall lernte ich einen Lektor kennen, der für den „Spiegel“ gearbeitet hatte. Ich bat ihn, Raymonds Manuskript zu lesen.
Er nahm sich des Textes an, korrigierte ihn und riet mir anschließend zur Veröffentlichung. Besonders Raymonds Sprachstil fand er lesenswert.
Diese Rückmeldung bestärkte mich. Ich besprach das Vorhaben mit Raymond, gestaltete ein Cover und veröffentlichte das Buch bei Amazon. Auch die erforderlichen Pflichtexemplare gab ich an die zuständigen Bibliotheken ab.
Damit hatte Raymonds Geschichte einen Weg zu ihren Leserinnen und Lesern gefunden. Sie bekannt zu machen, erwies sich allerdings als eine weitere Aufgabe, die mich bis heute begleitet.
Warum mir dieses Buch am Herzen liegt
Hinter „Luka und die wilden Tiere“ steht für mich die Erinnerung an einen jungen Mann, der Bücher für sein Deutschstudium suchte, seine akademischen Möglichkeiten beharrlich verfolgte und schließlich selbst zum Autor wurde.
Unsere Freundschaft begann mit einer kleinen, konkreten Hilfe. Später brauchte es erneut Unterstützung, damit eine bereits zugesagte Chance tatsächlich erreichbar wurde.
Vielleicht berührt mich auch deshalb der Gedanke, der in Lukas Geschichte immer wieder auftaucht: Eine Begegnung kann verändern, wie wir einander sehen und miteinander umgehen.
Raymond erzählt davon durch sprechende Tiere, einen geheimnisvollen Wald und einen Jungen, dessen bisherige Gewissheiten ins Wanken geraten.
Die aktuelle Ausgabe trägt den Untertitel „Eine moderne Fabel über Macht, Moral und Verantwortung“. Sie wird bei Amazon für ein Lesealter von zwölf bis achtzehn Jahren angegeben und bietet auch Erwachsenen Anlass zum Nachdenken. Da die Geschichte Verlust, Gefangenschaft und deutliche Gewaltandrohungen enthält, lohnt sich vor dem Kauf ein Blick in die Leseprobe.
Ich wünsche mir, dass dieses Buch Menschen erreicht, die Freude an einer ungewöhnlichen Geschichte haben und sich auf ihre Fragen einlassen.
Vielleicht beginnt auch für sie etwas mit einem Buch.
„Luka und die wilden Tiere“ von Raymond Yerima entdecken und in die Leseprobe schauen:
Werbung in eigener Sache: Ich bin Herausgeber des Buches.


